Historie der Orwischer Kerb

Die Ursprünge des Urberacher Kirchweihfestes sind wahrscheinlich in der Zeit des ausgehenden Mittelalters zu suchen, wobei anzunehmen ist, dass es sich früher eher um ein Patronatsfest des heiligen Gallus handelte. Denn bis in die frühen 20er Jahre unseres Jahrhunderts feierten die Urberacher ihre Kerb um den 16. Oktober (St. Gallustag). Seit 1835 ist für den Kerbdienstag ein Jahrmarkt belegt!

Auf Grund der meist schlechten Witterung wurde sie dann auf das erste Wochenende im September vorverlegt. Als weiterer Grund wurde auch angeführt, dass man zu diesem Datum die Zwetschgenernte für die "Kerbkuche" nutzen kann.

Im Gegensatz zu heute spielte sich das Kerbgeschehen um die Jahrhundertwende hauptsächlich in und um die Wirtshäuser ab. So steckte jeder Verein am Kerbsonntag zur Eröffnung an seinem Vereinslokal den Kerbstrauß und im Kerbspruch wurden die Ereignisse des vergangenen Jahres glossiert. Die Fahrgeschäfte beschränkten sich auf die "Reitschul" (Karussell mit Pferdeantrieb), zwischen "Solo" und "Herschwert" (heute Volksbank und Metzgerei Knapp im Gänseeck) und die Schiffschaukel zwischen "Neidhardt" und "Häjdo" (Gasthäuser "Zum Stern" und "Zum Löwen"). Desweiteren gab es Stände mit Backwerk und Süßigkeiten sowie einen Schießstand. Besondere Aufmerksamkeit widmete die Jugend damals dem Tanzvergnügen in den Sälen der Wirtschaften, wo es besonders hoch her ging. Nebenbei handelten die Alten, die rundum an den Tischen saßen, für die heiratsfähigen Kinder oftmals eine passende "Partie" aus, was man dann mit Nachdruck in die Wege leitete: "Ei Marrie! Daonz' doch jetz' aach emool mi'm Schorsch". Montags machte man dann "blau" und am Dienstag, dem Markttag, wurde Abends die Kerb "begraben" (meist feierliches Verbrennen einer symbolischen Strohpuppe). Der Auftakt der nächsten Kerb war dann das entsprechende "Kerbausgraben".

Nachdem die Gemeinde Urberach in den 60er Jahren die Kerb auf den neu errichteten Festplatz verlegte, zeichnete sich ein allmählicher Niedergang der alten Kerbtraditionen ab.

Zu Beginn der 80er Jahre keimte das Bestreben auf, das Kerbgeschehen, unter Auflebung der alten Traditionen, wieder im alten Ortskern, am "Dalles", abzuhalten. Die erste Kerb im alten Stil wurde 1982, unter reger Beteiligung der Bevölkerung, gefeiert. Ermöglicht wurde dies durch den maßgeblichen Einsatz des damaligen Bürgermeisters Walter Faust, Helmut Schwarzkopf und Johannes Süß, den Urvätern der Orwischer Kerbkommission.

Die heutige Kerb beginnt offiziell Samstags mittags mit dem Einmarsch der "Kerbborsche", mittlerweile auch "Kerbmeedschen" und dem "Kerbvadder" sowie Mitgliedern der aktuellen Kerbkommission, auf dem Dalles. Begleitet werden sie vom Musikverein 06 Urberach sowie der "Kerbbobbe" auf dem historischen Spritzenwagen der Feuerwehr von 1901. Unter reger Beteiligung der Bevölkerung wird die aktuelle Truppe daraufhin vorgestellt und die "Kerbbobbe" schwebt unter Mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr Urberach zu ihrem Platz am Kerbbaum hoch über dem Festgeschehen. Hierbei wird stets auf die korrekte Ausrichtung der Figur - möglichst nicht gen Osten zum Lieblingsstadtteil Ober-Roden!!

Ist diese Arbeit getan, beginnt das aktive Kerbgeschehen mit dem Bieranstich durch die "Offiziellen".

Ein Glanzlicht stellt des weiteren das traditionelle Feuerwerk um 22:00 Uhr dar.

Sonntags morgens nach dem Kirchgang der Kerbborsche verliest der Kerbvadder den Kerbspruch auf dem Dalles. Anschließend werden an den Zelten der mitwirkenden Vereine die Kerbsträuße gesteckt. Montags ist Kerbfrühschoppen, gegen Montagabend klingt die Kerb aus.

Den Dienstag als Jahrmarktstag gibt es nicht mehr, wofür sich aber eine andere Sitte eingebürgert hat. Seit einigen Jahren findet immer wieder ein Anlass (sei es eine Einweihung oder ein Jubiläum), welchen man Freitags vor der Kerb unter Einbeziehung der Öffentlichkeit feierlich begehen kann und somit die Kerb inoffiziell schon etwas früher einläutet.

Gottlob fiel uns bis jetzt immer was ein!!
 

Peter Knapp